Kreuzkirche Addis Abeba
Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien

Lebendige Gemeinde? Lebendige Gemeinde!

Familienfreizeit in Awassa

Schon wieder Awassa? Och nö, da waren wir doch erst letztes Jahr! Ist das nicht da, wo wir beim Durchfahren des Sees fast mit dem Auto stecken geblieben wären? Doch, schon wieder Awassa!
In Awassa treffen sich Familien der Gemeinde mit und ohne Kinder auf dem Gelände der Norwegischen Mission, die eine NGO besichtigen, gemeinsam grillen, tanzen und beten. Die Nilpferde besichtigen, abends über Gott und die Welt diskutiert und die sich bei einigen Stunden Nichtstun erholt. Die Kinder spielen Fußball gegen eine lokale Auswahl.
Die meisten Teilnehmer sind am Donnerstagabend angereist, diejenigen, die am Donnerstag noch arbeiten mussten, kamen Freitagfrüh an, rechtzeitig zum Beginn der Freizeit, die unter dem Motto begann: Wir lassen hinter uns, was uns belastet - mit Gottes Hilfe können wir immer wieder neu anfangen. Gina hatte eine bewegte Vorstellungsrunde organisiert, alle Teilnehmer mussten sich nach neuen Themen zusammenstellen. Z .B: Wer kann singen, wer nicht tanzen, wer spricht Amharisch, wer kann es verstehen, wer macht Musik und wer hört gerne Musik, wer ist am längsten im Land...

Nachmittags ging es dann auf den See, Hippos gucken, mit 2 Booten. Wir haben vier Hippos gesehen, das andere Boot noch mal vier, sind acht insgesamt. Meist haben nur Augen und Maul aus dem Wasser geragt, der Rest stapfte im trüben Seewasser vor sich hin.

Spannend war daher hauptsächlich die Rückfahrt: Ein Wettlauf gegen Blitz und Donner. Wer sich auskennt, weiß, dass kein Mensch ein Gewitter braucht, wenn man auf einem See ist! Die Boote versuchen daher, einander an waghalsigen Überholmanövern zu überbieten, das Wasser drückt durch alle Fugen ins Boot und schwappt knöcheltief um unsere Füße, gleichzeitig schweißt der einsetzende Regen die Frisuren an unsere Köpfe. Irgendwann hatten wir das glitschige Ufer erreicht und wieder festen Boden unter den Füßen.
Das Grillen abends ist regentechnisch bedingt ausgefallen, jeder brutzelte seine Würstchen in der Pfanne und brachte sie zum gemeinsamen Abendessen mit. Gemeinsames Singen, Andacht und einige Spiele schlossen den Tag ab. Das Haus roch noch die ganze Nacht recht streng nach kaltem Würstchenfett, was aber den Vorteil hatte, dass die Moskitos nicht allzu ungehemmt zustachen.
Am Samstag gab es 2 Programmpunkte: Morgens Länderspiel gegen eine äthiopische Auswahl von Waisenkindern und mittags Besichtigung einer NGO. Beides hängt zusammen. Die NGO hat zum Ziel, äthiopischen Waisenkindern die Möglichkeit zu bieten, in die Schule zu gehen und denen ohne Haus auch ein Bett zu bieten sowie allen Kindern 2-3 Mahlzeiten pro Tag. Und aus dieser NGO heraus wurde eine Fußballmannschaft zusammengestellt, trainiert und mit Trikots ausgestattet, gegen die unser Kinder antraten.
In sengender Mittagshitze auf einem mit Steinen, Schlaglöchern und Schafsknochen übersäten Staub-Platz. Unsere Rasen-verwöhnten Söhne und Töchter staunten nicht schlecht ob der Ausmaße des Platzes und der Robustheit der Gegner. Doch alles Lamentieren, Wüten und Rennen half nix. Als das Staunen vorbei war, war Halbzeit und es stand 2:0. Am am Ende sogar 4:1. Das eine Tor schoss Tim Winkler, ein Geburtstagsgeschenk an sich selbst. Ausgelaugt, verbrannt, eingestaubt und hungrig aßen wir zu Mittag und besichtigten anschließend die NGO. Es ist bemerkenswert, mit wie wenig Geld, aber vielen Ideen, Engagement, Idealismus und Optimismus sich ein solches Projekt aus dem Boden stampfen und hoffentlich auch nachhaltig erhalten lässt. Die tragende Säule der NGO ist die äthiopische Direktorin der Schule, die auch dann weitermacht, wenn der deutsche Support vor Ort beendet ist.
Diesmal wurde abends gegrillt, gut gegessen und die letzten fliegenden Laternen von der vorigen Gemeindefreizeit steigen gelassen. Es waren noch drei übrig, 2 flogen noch. Weit über den See hinaus bzw. am Berghang hinauf. Mit ihnen flog so mancher Wunsch, so manche Sehnsucht und so mancher Abschiedsgedanke durch die Nacht.

Am nächsten Morgen reisten die meisten ab. Manche früher, manche später, aber alle kamen gesund in Addis an. Müde aber glücklich dankten wir Gott für die glückliche Rückfahrt - bei solchen Überlandfahrten braucht man immer wieder dringend seine Schutzengel - und freuten uns schon auf die nächste Familienfreizeit. Wir sind wieder dabei.

Carsten Blaich