(nach Aufführung einer in den äthiopischen Kontext gestellten Version des Krippenspiels der Kinderkirche 12/2008)
Liebe Jungen und Mädchen, habt herzlichen Dank für dieses tolle Krippenspiel, das habt ihr echt prima gemacht. Ich habe ja wieder was dazugelernt: Der König Herodes braucht seinen Schönheitsschlaf. Er hat gar nicht mitbekommen, was in dieser Nacht los ist. Die Engel singen das Gloria, die Hirten eilen zum Retter der Welt, die drei Weisen haben den Stern gesehen - doch der König Herodes hat nur eine Sorge: Er braucht seinen Schönheitsschlaf!
So witzig das klingt, und so wenig witzig dieser brutale Herrscher in Wirklichkeit war - vielleicht ist das ja eine Mahnung an uns: Leute, verschlaft nicht, was in dieser Nacht passiert. Macht es euch nicht so gemütlich, dass ihr vergesst, was Weihnachten uns eigentlich sagen will: Gott wird Mensch, er kommt zur Welt. Er bleibt nicht im Himmel, er kommt zu uns. Wir sind ihm nicht egal.
In einem Weihnachtslied singen wir: "Er äußert sich all seiner G´walt, wird niedrig und gering und nimmt an eines Knechts Gestalt, der Schöpfer aller Ding." Der große Gott, der alles geschaffen hat, verlässt seinen Himmel und kommt als kleines Kind in der Krippe zu uns. Gott schläft nicht, auch wenn wir Menschen ihn nicht sehen und spüren. Er hält keinen Schönheitsschlaf, er macht es sich da oben nicht gemütlich. Gott verbirgt sich nicht hinter den Wolken. Es zieht ihn zu seinen Geschöpfen. Sie und du und ich - wir alle sind ihm so viel wert, dass er sich zum Kind und Knecht macht.
Ihr wisst, wie es mit Jesus weiterging. Schon bald mussten seine Eltern mit ihm fliehen, um den Schächern des Herodes zu entgehen. Sie fanden Asyl in Ägypten. Das Land, das sonst oft so schlecht weg kommt in der Bibel, nimmt sie auf. Nach Europa zu kommen hätten sie heute keine Chance. Die Grenzen sind dicht, die Welt der Armen muss außen vor bleiben. Auch Jesus sucht Asyl, so lernt Gott seine Welt kennen. Er teilt das Brot, er richtet die Gekrümmten auf, er schenkt den Blinden das Augenlicht, er tröstet die Traurigen, er spricht die Armen selig. Er hat mit solchen Menschen zu tun, wie sie hier in Äthiopien leben und uns täglich begegnen.
Schließlich führt sein Weg ihn bis ans Kreuz. So teilt er unser Leben und Sterben. Und bringt einen Frieden, der durchträgt. Den Frieden mit Gott, und das meint Versöhnung und Neuanfang. Im Kind in der Krippe nimmt das seinen Anfang.
Weihnachten feiern wir, weil Gott zu uns kommt. Indem wir es feiern, rechnen wir mit ihm - in jeder Beziehung.
Jesus - komm in unser Feiern. Komm in unsere Beziehung, als Partner, als Ehepaar, in unsere Familie, komm an unsern Arbeitsplatz, in unser Mitarbeiterteam. Komm in unsere Gemeinde, komm in dieses Land, zu den Menschen hier in Äthiopien, die du geschaffen und die du lieb hast. Komm zu denen, die auf der Straße kauern und betteln. Komm auch zu denen, die nicht oder nicht mehr glauben können. Komm zu den "Heiden": "Nun komm, der Heiden Heiland!" - dieses Lied singt jetzt der Chor