Kreuzkirche Addis Abeba
Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien

Predigt über Lk. 19, 1-10, 08.02.09

Zachäus

(voraus geht ein Anspiel "Zachäus" sowie eine "Zollstation" am Kircheneingang)

Das war ein tolles Anspiel mit Zachäus dem Oberzöllner.
Oberzöllner:
Der Boss von allen Zöllnern, Chef Geldabknöpfer, ein Oberschurke
Er war gut darin, anderen für die Besatzungsmacht das Geld aus der Tasche zu ziehen.
Zachäus saß am Zoll. Seine Zollstation war in Jericho.
Jericho: reiche Stadt, Zufahrtsstraße nach Jerusalem im fruchtbaren Jordantal.
Eine gute Stelle für eine Zollstation.
Etwa wie an der Straße von Djibouti nach Addis. Wer da mit Waren lang kommt, muss zahlen, und wer am Zoll sitzt der kassiert.
Zachäus hat aber auch was in seine eigene Tasche gesteckt. Er hat also mehr genommen als der eigentliche Zoll war. Das war richtig gemein, und auch nicht gerecht, oder? Und die Leute konnten nichts machen. Wenn sie nicht gezahlt haben hat er sie nicht durchgelassen.

Zachäus war nicht beliebt.
Er hatte zwar Geld und konnte sich vieles kaufen, aber er hatte keine Freunde.
Keiner kam ihn besuchen, keiner hat ihn eingeladen. Auch die Nachbarn haben ihn nicht gegrüßt. Seitdem er Oberzöllner war, haben ihn auch die anderen Zöllner nicht mehr besucht. Die mussten ja nun auch an ihn Geld abgeben.
Wenn Zachäus also schön einkaufen gegangen war, konnte er eigentlich mit niemandem sich über die Sachen freuen. Selbst seine Frau war es leid. Anstelle der schönen Sachen wollte sie lieber freundliche Nachbarn und mal jemanden zum Tee einladen.

Da hört Zachäus, dass Jesus in die Stadt kommt.
Zachäus ist neugierig und möchte unbedingt Jesus sehen.
Er hatte schon von Jesus gehört, dass Jesus heilen kann und anders predigt als die Schriftgelehrten.
Vielleicht, denkt Zachäus, verurteilt Jesus mich nicht.
Auf jeden Fall wollte Zachäus Jesus unbedingt sehen. Nur da gab es ein Problem.
Was war das Problem? Zachäus war klein und die anderen Leute wollten ihn nicht vorbei lassen.
Was macht man, wenn man klein ist und nichts sehen kann? - man klettert irgendwo rauf. Doch, klettern denn auch Erwachsene auf Bäume?
Zachäus war das egal, auch wenn er sich damit lächerlich machte oder die schönen Kleider zerrißen. Es war ihm so wichtig Jesus zu sehen.
Hat er Jesus gesehen? Wie wird Jesus reagieren, wenn er vorbei kommt?

Jesus sieht Zachäus
Zachäus sitzt auf dem Baum zwischen den Zweigen und will eigentlich erst mal nur beobachten. Da sieht Jesus zu ihm hoch und ruft ihn beim Namen.
Jesus hat also Zachäus schon gekannt, er hat also sicher gewusst, was für ein Halunke Zachäus war.
" Steig schleunigst herab, heute muss ich in deinem Haus bleiben"
Es war Jesus ganz wichtig Zachäus zu besuchen.
Er sagt nicht: " Oh, wen haben wir denn da, ach das ist ja der Oberhalunke Zachäus. Na, mit dir werde ich nachher gerne mal ein Wörtchen reden."
Dann hätte Zachäus sich auf den Besuch bestimmt nicht gefreut.
Jesus hätte ihn auch einfach ignorieren können, einfach wegschauen und vorbeigehen.
Aber Jesus schaut hinauf und redet ihn an. Wenn Jesus Menschen begegnet, ist das Sehen oft etwas ganz wichtiges.
z.B. in der Erzählung vom reichen Jüngling heißt es: da sah ihn Jesus an und gewann ihn lieb.
Und als Petrus ihn verleugnet heißt es: Jesus wandte sich um und sah Petrus an.
Bei der Frau, die an schweren Blutungen litt heißt es: Jesus drehte sich um, sah sie an und sagte: Sei unbesorgt, dein Glaube hat dir geholfen. In diesen letzten beiden Fällen dreht sich Jesus sogar extra um, um diese Menschen anzusehen.
Wenn man einen Menschen richtig ansieht, kann man meist nicht einfach an ihm vorüber gehen.
Es ist in diesem Land gewiss nicht so einfach, und man kann sich leicht angewöhnen, möglichst keinem in die Augen zu schauen, aber wenn wir Gottes Liebe weitergeben wollen, müssen wir doch ab und zu einen Blick riskieren.
Jesus hat Zachäus angesehen, weil er ihn retten wollte.
"Denn der Menschensohn ist gekommen, Verlorene zu suchen und zu retten."

Zachäus freut sich
Er klettert ganz schnell vom Baum und lädt Jesus in sein Haus ein. Zachäus hat gleich gemerkt: Da ist einer, der mich nicht verurteilt. Jesus stellt keine Bedingungen. Zachäus muss sich nicht erst ändern, nicht erst lernen so zu denken oder so zu handeln, wie es Jesus gefällt.
Jesus sagt nicht: Also Zachäus, wenn du alles, was du zuviel eingenommen hast, wieder zurückgibst, dann komme ich dich vielleicht mal besuchen.

Die anderen Leute:
Finden das gar nicht toll und sind empört, dass Jesus Zachäus besucht. Warum will Jesus jemanden besuchen, der so unfair ist und den anderen das Geld aus der Tasche zieht. Sie haben Zachäus abgeschrieben, er gehört nicht zu ihnen.
Mit so einem spielt man nicht,
so jemanden lässt man auflaufen,
der wird nicht eingeladen.
Wir stellen oft Bedingungen:
Wenn du groß bist …
Wenn er, sie sich entschuldigt…
Jesus nimmt bedingungslos an.

Im Blick auf Zachäus kann uns das vielleicht ärgern, weil es ja bedeutet, dass Jesus auch die Menschen annimmt, die uns unfair behandeln oder ungerecht sind. Es bedeutet aber nicht, dass Jesus ihr Verhalten richtig findet.
Im Blick auf uns selbst sollte uns Jesu Verhalten ermutigen, denn es bedeutet, dass wir so kommen können wie wir sind. Er nimmt uns bedingungslos an.

Zachäus ist darüber so froh, dass er sein Leben ändert.
Er will die Hälfte den Armen geben und das erpresste vierfach zurückgeben. Das war selbst nach den damaligen Regeln viel mehr als nötig, um Unrecht wieder gut zu machen. Zachäus meint es also wirklich ernst und tut es spontan und ganz aus Freude.

Darum sagt Jesus zu Zachäus: heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus leben, Rettung gebracht.
Zachäus ist gerettet von seiner Boshaftigkeit,
Er ist nicht mehr gemein und ungerecht.
Er gehört dazu und braucht nicht mehr einsam sein.

Wir müssen ab und zu auch auf einen Baum klettern, aus unserem Alltagstrubel heraus und uns von Jesus anschauen lassen, damit wir uns freuen können über seine Barmherzigkeit. Jesus nimmt uns an, so wie wir sind. Und gerade das verändert uns. Wer Gott wirklich begegnet, kann kein ungerechter Mensch bleiben. Gottes Liebe verändert uns.

Wenn wir als Christen leben wollen, sind wir aufgerufen, auch anderen Menschen die Liebe Gottes weiterzugeben, indem wir sie so annehmen, wie sie sind. Das ist nicht leicht und gelingt uns sicher nur sehr selten. Allerdings zeigt uns diese Geschichte von Zachäus, dass Gottes bedingungslose Liebe die Kraft hat, Menschen zu retten und zu verändern.

Der Oberzöllner Zachäus hat seinen Beruf, möglicher weise, nicht an den Nagel gehängt, aber er wird von da an Menschen nicht mehr übervorteilt haben. Wenn er Zöllner geblieben ist, hat er nur noch das eingenommen, was die verordneten Wegezölle waren. Er war auch sicher kein reicher Man mehr, nachdem er so viel zurückgezahlt hat. Aber ich bin sicher, dass er ein glücklicher Mensch geworden ist und nicht mehr einsam war. Darum hat Jesus zu ihm gesagt: Heute hat Gott dir und allen, die in deinem Haus leben, Rettung geschenkt. Das ist ein Grund zum Feiern.

Sabine Gossens

Predigten

   Archiv