"Wie ist dein Lebenstraum, der dir zu Herzen geht, von Horizonten weit und Freiheitsatem weht…" (gerade gesungen). Wofür lohnt es sich zu leben? Unser heutiger Predigttext redet gleich von dreien, die es ernst meinen. Sie wollen dem nachfolgen, dem sie begegnet sind. Ich lese aus Lukas 9 die Verse 57-62.
Textlesung
Irgendwo habe ich den Satz mitgenommen: "I never said it would be easy - I said, it would be worth it!" "Ich habe nie gesagt, es wäre leicht - ich habe gesagt: Es wird sich lohnen!" Dieser Satz steht so nicht in der Bibel, aber er trifft das, was Jesus meint. Es wird sich lohnen! Zugegeben, was er hier von sich gibt, ist nicht leicht zu verdauen. Da begegnen ihm drei durchaus willige Leute, wie man sie nicht alle Tage trifft - und Jesus macht es ihnen alles andere als leicht. Von Wertschätzung der Ehrenamtlichen keine Spur, ganz zu schweigen von bezahlten Pastoren und anderen Hauptamtlichen! Da will ihm einer folgen. Doch anstatt ihn zu ermutigen, hängt Jesus die Latte noch höher und sagt: Du, überleg es dir lieber zweimal, ehe du den Weg mit mir mitgehst.
Den Weg. Sie sind auf dem Wege. Lukas erwähnt das nicht zufällig. Es ist der Weg nach Jerusalem. Der Weg ins Leiden. Der Weg ans Kreuz. "Gelitten" - mit diesem einzigen Wort beschreibt das Glaubensbekenntnis den Weg Jesu zwischen Geburt und Tod: "…geboren von der Jungfrau Maria, gelitten unter Pontius Pilatus, gekreuzigt, gestorben und begraben…"
Das passt gut zur Beschreibung seines Lebens, wie er selbst sie hier gibt: Selbst die Füchse haben Gruben und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. Unstet und flüchtig ist sein Leben, so wie das Leben von einem, der auf den ersten Seiten der Bibel auftaucht: Unstet und flüchtig war das Leben des Kain, nachdem er seinen Bruder Abel erschlug. Und doch trägt er von da an ein Zeichen Gottes an der Stirn, das Zeichen der Bewahrung, das Zeichen der Rettung. Jesus der Menschensohn, solidarischer kann seine Selbstbezeichnung nicht sein. Jesus der Menschensohn zieht unstet und flüchtig daher, in letzter und tiefster Solidarität mit dem schuldig Gewordenen. Der unschuldige Menschensohn macht sich schon auf Erden eins mit dem schuldigen Menschenbruder. Obdachlosigkeit und ein fehlendes Zuhause verbinden ihn mit allen, deren Leben keine Heimat hat, ob schuldig oder unschuldig. Die ihm folgen, die den Weg mit ihm gehen, werden darauf hingewiesen. Jesus erklärt hier dem willigen Nachfolger: Du, das alles kann auf dich zukommen.
Manche sind diesen Weg sehr bewusst mitgegangen. Pater Fritz hat mir von den weißen Vätern erzählt. Die erste Generation wurde auf dem Weg der Nachfolge zerrieben, keiner hat lebend das Ziel erreicht. Doch sie haben der zweiten Generation den Weg geebnet, hin zu den Menschen, die das Evangelium hören sollten. Die oft verzerrten Bilder der Mission entstellen den Einsatz der Vielen, die ihr Leben gewagt und aufs Spiel gesetzt haben, um die Lebensbedingungen der Menschen zu verbessern. Wozu auch immer gehörte, sie von Zwängen und Abhängigkeiten zu befreien. Sie wussten, worauf sie sich einließen, denn ihr Herr und Meister ließ keinen Zweifel daran, dass der Weg beschwerlich sein würde.
So ist auch das zweite Wort, so rücksichtslos es klingt, zu verstehen: Lass die Toten ihre Toten begraben. Sehen wir mal davon ab, dass mancher Bestatter schon an jenen Vertreter der Zunft, wie er etwa bei Lucky Luke auftaucht, erinnert und damit auch ein wenig an den Tod selber (J). Jesus hasste die inszenierten und runter geleierten Trauergesänge, die dem Tod die letzte und einzige Ehre erweisen. Gewiss wollte er jenem jungen Mann nicht zu nahe treten, vielleicht war der alte Herr ja noch gar nicht gestorben. Aber im Text begegnet uns gleich zweimal das verräterische kleine Wort "zuvor": Lass mich zuvor meinen Vater begraben…erlaube mir zuvor, dass ich Abschied nehme. Wenn Gott ruft, dann bleibt nur eines: dass wir uns aufmachen und ihm folgen. Und nicht erst noch alles Mögliche zuvor erledigen wollen.
Ich finde das Leben hier in Äthiopien spannend. In den letzten Tagen bin gleich mehrfach Menschen begegnet, die davon erzählt haben, wie Gott eine Tür in ihrem Leben aufgetan hat. Und wie sie dann durch diese Tür auch gehen mussten, ohne damit zu zögern.