Kreuzkirche Addis Abeba
Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien

Predigt über Joh.6,66-69, 24.05.09

"Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens!" - Predigt zur KonFirmation

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden,
liebe Firmlinge, liebe Angehörige und Paten,
liebe Festgemeinde!

Wenn man euch so anschaut in der vollen Pracht und Blüte dieses Tages und eurer Jugend, dann kann man euch nur beglückwünschen. Das Leben liegt vor euch - und mit ihm der bunte Markt der Möglichkeiten, es zu gestalten und die Zukunft anzupacken. Welch ein Horizont und welch ein Privileg, dass ihr als Konfirmanden und Firmlinge hier in Addis bereits jetzt eine andere, zum Teil fremdartige Welt oder gar mehrere kennen gelernt habt und so einen großen Schatz an Erfahrung mitbringt. Gewiss, Stromausfälle und Mauern um den Compound sind nicht so prickelnd - schon in Kairo mag alles ganz anders sein - aber einer anderen Kultur und Lebensart zu begegnen, das ist auch spannend und wird euch einst sehr zugute kommen.

Das Leben liegt vor euch und mit ihm die Wege, die ihr einschlagen werdet. Da tut es gut, einmal innezuhalten und zu fragen: Was ist mir wichtig? Wo will ich hin mit meinem Leben? Worauf kommt es an? Heute ist so ein Tag, wo wir das tun können. Nicht nur ihr, sondern auch wir Erwachsenen. Jedenfalls lade ich uns alle dazu ein.

Schauen wir kurz in die Szene, die Johannes in seinem Evangelium erzählt. Obama hat die ersten 100 Tage hinter sich, die Schonfrist ist vorbei, der Wind weht ihm heftiger entgegen. Hier bei Jesus ist es ein wenig ähnlich: gerade hatte er noch große Erwartungen geweckt, 5000 Leute satt gemacht, sie wollten ihn sogar zum Brotkönig krönen, aber recht bald wurde es einsamer um ihn herum. Die Menschen sind irritiert durch seine radikalen Worte, auch seine Bewunderer. Verstört und vielleicht auch aus Bequemlichkeit wenden sich die meisten wieder von ihm ab. Am Schluss schaut Jesus sich um und stellt fest, dass nur die kleine Schar der zwölf Jünger übrig geblieben ist. Das war´s dann wohl. Wenn Jesus eine Kirche hätte, könnte er sie jetzt eigentlich dicht machen, die Schlüssel abgeben und einer anständigen Beschäftigung nachgehen.

Glaube braucht Freiheit!

Wie geht er damit um, dass seine Anhänger schwinden? Überdenkt er seine Strategie? Startet er einen flammenden Aufruf zur treuen Gefolgschaft? Weder noch. Jesus bleibt seiner Sache treu - und gibt zugleich seinen Jüngern den Weg frei: Wenn ihr auch weggehen wollt, dann tut es. Damit setzt Jesus ein Signal, es lautet: Der Glaube braucht Freiheit.

Manchem von euch mag es ja nicht ganz freigestellt gewesen sein, euch auf das Unternehmen KonFirmKurs einzulassen. Und es gibt manchmal gute Gründe, dass Eltern ihren Kindern eine feste Vorgabe machen - auch dazu gehört heutzutage ja schon Mut. Aber was ab jetzt sein wird, ja wie ihr selbst als religionsmündige junge Leute mit dem Angebot des Glaubens umgeht, das soll und das kann nur in Freiheit geschehen. Alles andere wäre nicht gut. Jesus lässt seinen Freunden die Freiheit. Darin unterscheidet er sich von menschlichen Dienstherren. Die suchen ihre Anhängerschaft oft mit allen Mitteln festzuhalten und an sich zu binden. Oder versprechen das Blaue vom Himmel. Jesus tut das nicht. Der Apostel Paulus sagt das so (2.Kor.3,17): Wo der Geist des Herrn ist, da ist Freiheit. Eben auch die Freiheit, nein zu sagen.

Vielleicht waren die Leute ja einfach von Jesus enttäuscht und gingen darum zurück in ihren Alltag. Sie waren mit festen Erwartungen und Wünschen gekommen, und nicht alle hat er erfüllt. Ein bisschen kann ich das nachempfinden. Mit großen Erwartungen ist das immer so eine Sache, sie zu erfüllen ist nicht immer möglich.

Vor 70 Jahren musste ein Mann ins Gefängnis, weil er gegen das Hitlerregime aktiv geworden war. Er hatte sich gerade verlobt und das gemeinsame Leben lag vor ihm und seiner jungen Braut. Sie hätten gerne geheiratet und eine Familie gegründet. Aber so kam alles anders. Der Mann hieß Dietrich Bonhoeffer. Im Gefängnis schrieb er einen Satz auf, dessen Inhalt ihm wichtig geworden war: "Gott erfüllt nicht alle unsere Erwartungen, aber alle seine Verheißungen." Nach seiner Zeit hat dieser Satz vielen Menschen geholfen, zwischen den eigenen Wünschen und dem, was Gott für uns für richtig hält, zu unterscheiden.

Worte mit Tiefgang

Vielleicht muss Petrus bei seinem großartigen Bekenntnis ja an seine erste Begegnung mit Jesus denken, damals als Fischer am Seeufer. Unser See Genezareth war ja der Langano (ich spreche von unserer KonFirmfreizeit), da habt ihr die Geschichte neu in Szene gesetzt. Petrus hatte die ganze Nacht nichts gefangen, doch als Jesus ihn auffordert, es noch einmal zu versuchen, da wagt er es: "Aber auf dein Wort will ich die Netze auswerfen." Und macht den Fang seines Lebens.

Und hier jetzt bekennt er: Wohin sollen wir gehen? Du hast Worte des ewigen Lebens. Wenn einer viel verspricht und dann nichts hält, sagen wir: Der macht viel Worte. Und meinen damit: Es steckt nichts dahinter. Bei Jesus war es anders, zumindest damals. Die mit ihm zu tun hatten, stellten fest, dass seine Worte irgendwie anders waren, ihr würdet sagen: "voller power". Manche fanden sie zu hart und finden das auch heute noch, andere sind fasziniert von der Kraft seiner Worte. Selig sind, die da hungert und dürstet nach der Gerechtigkeit; denn sie sollen satt werden. Selig sind die Friedenstifter, denn sie werden Gottes Kinder heißen. Worte voller Kraft. Worte, die Mut machen. Worte, die uns durchhalten lassen.

Warum will Petrus den Weg mit Jesus unbedingt weitergehen? Er ist doch immer wieder auch auf die Nase gefallen. Vielleicht gerade darum. Weil er gemerkt hat: Bei dem darf ich mir Fehler leisten. Ich muss nicht perfekt funktionieren. Auch mit meinem Scheitern, meinem Versagen, oder wenn ich auf dem Holzweg gelandet bin, nimmt er mich an. Denn eins ist ja klar: Petrus hat sich so ziemlich alles geleistet, was man im Blick auf Glauben und Gott falsch machen kann. Bis dahin, dass er Jesus im entscheidenden Moment im Stich ließ. Doch nach der dunklen Nacht zum Karfreitag kam der Ostermorgen, und Jesus beauftragte seinen Jünger neu. Und Petrus spürt: Das Leben kann noch einmal beginnen. Ich habe die Zusage der Vergebung im Ohr und im Herzen, ich schleppe keine Altlast mehr mit mir rum. Das macht frei. Petrus wird einer, der mit großem Mut seinen Glauben vor anderen Menschen bekennt. Die Dinge sind zurechtgerückt und Petrus weiß: Ich bin nur ein Mensch, aber Jesus - der ist der Heilige Gottes.

"Du bist der Heilige Gottes!"

Wir haben geglaubt und erkannt, dass du der Heilige Gottes bist. Er spricht für sich und die andern. Glaube und Erkenntnis - für uns schließt sich das oft aus. Das eine ist für uns wissenschaftlich, das andere eine vage Vermutung. In der Bibel gehört beides zusammen. Denn Glauben ist mehr als vermuten. Und Erkennen ist mehr als sachlich was feststellen. Mich berührt das Bekenntnis des Petrus, er weiß hier noch nichts vom Christus und vom Messias, aber er kann schlicht sagen: du bist der Heilige Gottes. Und sagt damit alles Wesentliche, was man nur sagen kann. Denn er spürt: Jesus ist anders. Anders als ich selbst, aber auch anders als all die großen Leute, die sich selbst so gern in Szene setzen.

Zu wem sonst sollten wir gehen, wem können wir so vertrauen wie dir? Petrus weiß keinen, und seinen Freunde kennen auch keinen, der so wäre wie Jesus Darum bleiben wir bei dir und gehen nicht mit den anderen weg. Selbst wenn es noch schwer wird und der Glaube alles andere als ein Spaziergang wird. Aber Spazierengehen ist auf Dauer ja auch langweilig.

Wenn ihr gleich gemeinsam das Taufbekenntnis sprecht, dann versteht es nicht so, als würdet ihr ein paar dogmatische Glaubenssätze abhaken müssen. Mag ja sein, dass ihr euch auf manche Formulierung noch nicht wirklich einlassen könnt. Sprecht es trotzdem mit, denn die Gemeinschaft mit den anderen ist mehr als mein eigener kleiner Glaube. Das gesprochene Bekenntnis will sagen: Wir tragen uns gegenseitig, wir sind miteinander mit Gott und mit Jesus in der Kraft des Heiligen Geistes unterwegs.

Manchmal kommen Situationen, wo Jesus uns aus dem Wasser ziehen muss, weil unser Glaube fast untergeht. Manchmal ist die Sternstunde da, wo wir mit Petrus bekennen: Du bist der Grund meines Lebens, das Fundament, das mich trägt.

Ich wünsche euch, dass ihr wie Petrus bei Jesus den Halt findet, dass ihr mit ihm auf dem Weg bleibt und euch gespannt auf neue Wege einlasst. Wege, die Gott euch führt. Wege, für die ihr Vertrauen braucht. Vertraut den neuen Wegen, auf die der Herr euch weist. Gott segne euch und gehe mit euch, wo auch immer sein Weg euch als nächstes hinführt.

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle menschliche Erkenntnis und Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.
Amen.

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