Kreuzkirche Addis Abeba
Evangelische Gemeinde deutscher Sprache in Äthiopien

Nachrichten aus der German Church School

Feierliche Eröffnung der neuen Turnhalle

Am 21. Mai dieses Jahres war es so weit: Nach 11-jähriger Planung und fast 5 -jähriger Bauzeit konnten wir die Eröffnung unserer "Gym" feiern. Sie ist als gemeinsames Projekt mit dem Youth and Sports Bureau der Stadt Addis Abeba konzipiert und fertig gestellt worden. An drei Tagen in der Woche steht sie unseren Schülerinnen und Schülern voll zur Verfügung.

Haile Gebreselassi rennt mit blinden Schülern am Laufband um die WetteZur festlichen "Inauguration" kamen viele Ehrengäste: der deutsche und der österreichische Botschafter sowie der stellvertretende Bürgermeister der Stadt Addis Abeba - und zur großen Freude unserer Kinder tauchte plötzlich Haile Gebreselassie auf. Vier Tage zuvor hatte er den 10.000- Meter-Lauf von Manchester gewonnen. Aus den geplanten 20 Minuten seines Besuchs wurde mehr als eine Stunde. Mit verbundenen Augen lief der Langstreckenläufer mit unseren blinden Schülern am Laufband um die Wette - und verlor! Sein Kommentar: "To run and win a race it takes not only your legs and your sight but your heart - these children have a big heart and they know when to start, how to run and where to stop." In der Turnhalle maß er sich mit den Karate-Kids - und hatte offensichtlich selbst großen Spaß dabei.
Haile Gebreselassi mit Christoph Schmidt bei der Eröffnung der Turnhalle der German Church SchoolEin herzliches Dankeschön an dieser Stelle allen, die zum Gelingen des Projekts beigetragen haben. Kanzler Schröder hatte bei seinem Besuch im Januar 2004 bereits 15.000 Euro zugesagt, die Mitarbeitenden der Deutschen Botschaft haben sein Versprechen dann umgesetzt. Zur Jahreswende kam noch eine großzügige Finanzspritze der Österreichischen Botschaft hinzu, damit konnte der elastische Fußbodenbelag vollendet werden. Dieser auch von Haile bewunderte Schwingboden ist in seiner Konstruktion Christoph Schmidt zu verdanken, der das ganze Projekt fachmännisch begleitet hat. Viele Aufgaben liegen noch vor uns, vor allem Absprachen über Personal und Maintenance - wir hoffen, dass der Sportsgeist alles gut hinausführt.

School Day 2009

School Day of the German Church School 2009Am Tag nach der Eröffnung der Turnhalle ging es gleich weiter: 600 Schülerinnen und Schüler verwandelten Schule, Schulhof und Jan Meda Feld in eine gelb-blaue Landschaft (das sind die Farben der Schuluniform). Höhepunkt der sportlich-spielerischen Wettkämpfe war ein spannendes Tischtennis-Duell unserer beiden Schuldirektoren vor den Augen der Kinder, es folgten Karate- und weitere Vorführungen in der neuen Gym, ein Open-Air-Kunstwettbewerb aller Klassen auf dem Jan Meda sowie eine eindrucksvolle Versuchsreihe von 16 unterschiedlichen Experimenten, vorbereitet vom Physiklehrer Ato Kenesa. Es war eine Freude zuzuschauen, wie begeistert die Jungen und Mädchen ihren Mitschülerinnen und Mitschülern die unterschiedlichen physikalischen Anordnungen erklärten und damit verdeutlichten, wie wichtig neben aller Theorie praktischer Anschauungsunterricht ist.

Vierte deutsch-äthiopische Schülerbegegnung

Zum vierten Mal seit 2006 war eine Schülergruppe der Gymnasien Sandhausen und Wiesloch bei Heidelberg für 14 Tage bei uns zu Gast. Fünf Wochen nach dem Lehrer-Workshop trafen nun auch die deutschen Schüler ein. Höhepunkte auf dem Gelände der Kirche waren zwei Abende der gegenseitigen Vorstellung beider Länder.
Die deutschen SchülerInnen boten eine ausgefeilte Power-Point-Präsentation zu Deutschland und seiner Geschichte und politischen Verfassung, die Äthiopier glänzten mit einem kreativen Abend in den Gewändern der verschiedenen Ethnien - natürlich durfte die traditionelle Kaffeezeremonie nicht fehlen! Zugleich bildete der Besuch den Auftakt zu einem neuen Projekt - der erste gemeinsame deutsch-äthiopische Jugendgottesdienst wurde gefeiert, in englischer und amharischer Sprache. Ausflüge beider Schülergruppen zum Wonchi-Krater und an den Langano schufen ebenfalls bleibende Erinnerungen!

Mädchenbeschneidung - ein Thema auch für die GCS

Pastorin Fu-Lan Ritter-Chen bei einer Veranstaltung zur Mädchenbeschneidung Warum redet Pastorin Fu-Lan Ritter-Chen aus Taiwan von den zusammengebundenen Füßen chinesischer Mädchen, wenn es um das Thema Frauenbeschneidung in Afrik geht?
Weil auch das eine ebenso lang anhaltende wie unmenschliche Tradition war wie FGM (Female Genital Mutilation) in Äthiopien und anderen Ländern. Und weil dadurch deutlich wird, dass es einen Ausweg aus solchen scheinbar vom Glauben gestützten Bräuchen gibt und geben kann. Am Samstagvormittag, dem 14. März, war die Kreuzkirche bis auf den letzten Platz gefüllt - mit den Eltern unserer Schülerinnen an der GCS. Die ca. 200 Teilnehmenden verfolgten die Ausführungen von Fu-Lan sehr aufmerksam und reagierten am Ende mit zustimmenden Beiträgen und einer unterschiebenen Verpflichtung. Hierin sagten die Unterzeichnenden zu, der Beschneidung von Mädchen ein Ende zu machen. Es war ein besonders bewegender Moment, als eine Großmutter sich auf der Kirchenempore erhob und der Referentin herzlich dankte. Wir tun das auch und bitten Fu-Lan um einen weiteren Besuch. Dann, um zu den Mädchen selbst zu sprechen, denn auch in Addis gibt es die Praxis der Beschneidung noch.

Auktion für die GCS

Laura Bode erhält von Ato Teklu einen bemalten Krug Dank an Laura Bode für eine originelle Aktion. Am 20. März war es so weit: die Kinder der GCS dankten Laura Bode für ihre tolle Aktion zugunsten der German Church School. Für ihren CAS-Einsatz (Creativity - Activity - Service) im Rahmen ihrer Schulausbildung hatte die DBSAA-Schülerin eine originelle Idee: Ein dutzend renommierter Künstlerinnen und Künstler aus Äthiopien, Deutschland und Polen hatten Krüge und Schalen bemalt, die an einem Sonntagnachmittag auf dem Compound der Familie Bode vor illustrem Publikum versteigert wurden. Den Auktionshammer schulg ebenso gekonnt wie humorvoll Ulrich Mohr, Chef der hiesigen GTZ. Das Ergebnis war phänomenal: Es erbrachte einen Reingewinn von 30.000 ETB zugunsten der German Church School. Einer der versteigerten Krüge war übrigens von jungen Künstlern der GCS unter Anleitung von Teacher Antene gestaltet worden. Elias, ein weiterer junger Künstler aus unseren eigenen Reihen, überreichte Laura jetzt als Dank ebenfalls einen gekonnt bemalten Tonkrug. Der Beifall der Kinder war herzlich, auch wir danken dir, Laura für deinen Einsatz!

Lehrerfortbildung

Lehrerfortbildung an der GCS Im Januar 2009 fand in der German Church School eine Lehrerfortbildung in den Fächern Physik und Chemie statt, und dies war ein voller Erfolg! Zwei Fachlehrer aus Süddeutschland stellten sich nun schon zum zweiten Mal ehrenamtlich zur Verfügung.
Ihr Ziel ist es, Fachlehrern der Fächer Physik und Chemie mit Hilfe von Unterrichtsmaterialien zu demonstrieren, wei man diese Fächer den Schülern interessant vermitteln kann. Hierzu luden wir nicht nur die Lehrer unserer Schule ein, sondern auch solche aus Schulen in der Nachbarschaft. Insgesamt kamen 17 Lehrer aus acht Schulen zusammen und verfolgten mit Spannung die Demonstrationen ihrer deutschen kollegen. Außerdem konnten sie gleich selbst mit Hand anlegen und sich in der Benutzung von Unterrichtsmaterialien üben. Wir hatten auch die Schulbehörde auf unsere Fortbildung hingewiesen, und so schickte man einen Vertreter, den Physik-Experten, der an der gesamten Fortbildung teilnahm. Das ist besonders sinnvoll für die weitere Entwicklung des Projektes, da wir nun auf dessen Unterstützung hoffen können.
Lehrerfortbildung an der GCSDer Clou aber war, dass wir am Ende der Fortbildung ein paar Unterrichtsmaterialien an die teilnehmenden Lehrer verteilen konnten. Diese wurden durch Spenden des Lions-Clubs und des Pascal-Gymnasiums in Grevenbroich im Rheinland finanziert. Nur wenn die Lehrer selbst über Demonstrationsmaterialien verfügen, könnnen sie von der trockenen Buchwissenschaft wegkommen und ihren Schülern einen interessanten Unterricht anbieten. Die German Church School verfügt seit zehn Jahren über ein sogenanntes "Laboratory", einen naturwissenschaftlichen Unterrichtsraum mit vielen Materialien für Physik, Chemie und Biologie. An staatlichen äthiopischen Schulen sind solche Dinge kaum vorhanden. Auch fehlt es an der Ausbildung der Lehrer, solche zu benutzen. Nun ist ein bescheidener Anfang gemacht, um hier Abhilfe zu schaffen. Wir hoffen, dass die Teilnehmer an der Fortbildung sich in Zukunft gegenseitig unterstützen und Erfahrungen austauschen. Außerdem hoffen wir darauf, den ausgebildeten Lehrern durch Spenden weitere Unterrichtsmaterialien zur Verfügung stellen zu können.

Ursel Stahlmann

Kindergartenprojekt

Kindergartenfamilie mit Ato TekluIm neuen Flyer unserer German Church School taucht es als eine von drei aktuellen Herausforderungen auf: das Kindergartenprojekt. Was ist darunter zu verstehen? Von Anbeginn versteht die GCS sich als Schule für die ,,Ärmsten der Armen'', und so soll es auch bleiben. Bei den letzten Aufnahmen ist uns aber aufgefallen, dass einige der wirklich ganz Armen auch bei uns keine echte Chance haben. Die Kinder sollen das Alphabet beherrschen, um in die Schule aufgenommen werden zu können; ein gemeinsamer Start der Erstklässler wäre sonst enorm erschwert. Das Alphabet wird in Äthiopien bereits im Kindergarten gelernt, aber selbst den können sich die Allerärmsten nicht leisten.
Wir haben daraus eine Konsequenz gezogen: 15 solcher sehr armen Familien wird mit Beginn dieses Schuljahrs der Besuch ihres Kindes in einem Kindergarten finanziert. Da wir zurzeit keinen eigenen Kindergarten haben, finanzieren wir den Kindern einen Platz in einigen Kindergärten der Umgebung. Sie sind in unsere Gesundheitsfürsorge einbezogen und bekommen ihre Schuluniform gestellt. Zugleich werden die Mütter von unserer Krankenschwester in Grundfragen der Hygiene und Gesundheit unterrichtet. Wenn Sie uns bei diesem Projekt finanziell unterstützen möchten, freuen wir uns sehr. Pro Kind fallen monatliche Kosten von ca. 12-15 Euro an.

Besuch von Bischof Huber

Der Rat der EKD besuchte Äthiopien - und die deutschsprachige Gemeinde!
Herzlicher Empfang für die Delegation der EKDEs war ein Besuch, der nur alle paar Jahre stattfindet: Gemeinsam mit einer hochrangigen Delegation hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Äthiopien besucht. Natürlich war als erstes ein Besuch in der Auslandsgemeinde eingeplant. Pünktlich am Freitag, dem 19. September um 09.00 Uhr morgens begrüßten wir Bischof Wolfgang Huber und Auslandsbischof Martin Schindehütte sowie die ganze 10-köpfige Delegation in unserer Kreuzkirche. Vier von uns stellten unterschiedliche Dimensionen unserer Gemeindearbeit vor, danach gab es einen großartigen Empfang durch rund 300 Kinder an der German Church School. Den Delegationsmitgliedern unvergesslich blieb der Auftritt der Karate-Kids, angeführt von einigen blinden Kindern. Die Besucher konnten sich davon überzeugen, wie Kinder aus sehr armen Familien in ihrer Kreativität gefördert werden und eine Chance für die Zukunft bekommen.

...und noch ein hoher Besuch

Botschafter Dr. Knoop besucht die GCSAm 24. Oktober statteten der deutsche Botschafter Dr. Claas-Dieter Knoop und seine Ehefrau Monika der German Church School einen offiziellen Besuch ab. Für alle Beteiligten war dies ein bedeutendes Ereignis. Die Sonne schien freundlich zur Begrüßung, und die zuvor überreichte deutsche Flagge flatterte neben der äthiopischen Flagge im Wind. Das Botschafterehepaar kam in Begleitung von Frau Angelika Kniss von der Firma Knorr-Bremsen in München, die eine Kleiderspende der Belegschaft an unsere beiden Sozialarbeiter überreichte. Schüler und Lehrer sowie das gesamte GCS-Team hießen den Besuch mit Liedern und Vorführungen herzlich willkommen.

Einladung nach Genf

Wenn alles klappt, wird unsere Schülerin Bethlehem mit dem Schulleiter Ato Teklu und einem äthiopischen Journalisten Anfang Dezember in die Schweiz reisen. Bereits im vorigen Jahr hatte die Jury von Genevaworld sie beim internationalen Wettbewerb "Kinder malen ihre Welt" gemeinsam mit 100 Kindern ausgezeichnet. Jetzt ist sie mit 16 anderen Kindern aus aller Welt nach Genf eingeladen. Nähere Infos unter www.genevaworld.com.

Jenseits von Germany (D 2008, 30 min)

Es sollte ein Film über drei Auslandsgemeinden werden: Hongkong, Den Haag und Addis Abeba. So hat die EKD den Filmemacher Thomas Kabel auch nach Äthiopien geschickt. Er und sein Team hatten die beiden anderen Gemeinden bereits im Kasten, als sie nach Addis kamen. hier waren sie von der German Church School so fasziniert, dass die Gemeinde selbst nicht vorkommt. Dennoch ist das, was herausgekommen ist, sehr eindrücklich: Bewegende Bilder über zwei Kinder unserer GCS. Wenn der Film in Deutschland ins Fernsehen kommt, werden gewiss neue Freunde für die German Church School gewonnen. An einem der nächsten Sonntage soll er nach dem Gottesdienst gezeigt werden.

Ausflug nach Awassa

Der diesjährige Frühjahrsausflug der Schüler unseres Integrationsprogramms führte nach Awassa. Die blinden Jungen und Mädchen und ihre sehenden Partner lernten zwei Sozialprojekte kennen, ließen sich von unserem ehemaligen Lehrer Ato Solomon den Campus der Universität zeigen und hatten im Übrigen viel Spaß miteinander. Höhepunkt war eine Bootsfahrt auf dem Awassa-See, für viele ein Wagnis und eine ganz neue Erfahrung.

Erster Platz beim landesweiten Wettbewerb

Ein weiterer Höhepunkt für unsere blinden SchülerInnen - und für ihre Lehrer - war der nationale Wettbewerb der Special Schools in Mekele im Mai dieses Jahres. Die GCS holte sowohl in der Einzelwertung als auch im Team den begehrten 1.Platz und brachte einige Pokale nach Hause. Mit der ganzen Schule wurde das ausgiebig gefeiert - alle freuten sich mit!

Umwandlung zur Ganztagsschule

Beim Schritt vom Schichtunterricht zum Ganztagsschulbetrieb sind wir einen Schritt voran gekommen. Der Projektantrag liegt bei der Subcity, mit unseren Nachbarn von "Hope for the Blind" sind wir in einen offenen Dialog getreten. Auch sie wollen sich vergrößern und sind bereit umzuziehen, wenn sie ein passendes Grundstück bekommen. Jetzt hoffen wir auf den guten Willen bei allen Beteiligten. Für unsere Schüler und Schülerinnen wird es nur Vorteile geben: der Unterricht kann intensiviert werden, es wird Zeit und Raum für AG's und Hausaufgabenhilfe geben, nach dem Unterricht muss das Feld nicht sofort für die nächste Schicht geräumt werden. Ganz zu schweigen von den viel zu beengten Räumlichkeiten in der Integrations- und Sozialarbeit sowie bei Bibliothek und Kreativräumen.

Die Gym - keine unendliche Geschichte

Nun ist ein Ende der Bauarbeiten doch abzusehen: der Turnhallenfußboden wird eingebaut, die Wasserleitung installiert, das Außengelände mit integrierter Blindenlaufbahn nimmt Gestalt an. Wir hoffen, die Turnhalle im Herbst eröffnen zu können, gemeinsam mit der Youth and Sports Commission der Stadt Addis Abeba - und mit Haile Gebreselassie, der uns versprochen hat zu kommen.

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