Natnael ist acht Jahre alt und besucht die 3. Klasse. Sein Vater starb 20 Tage nach Natnaels Geburt.
Als der Junge drei Monate alt war, ließ ihn seine Mutter bei der Großmutter und verschwand. Sie konnte ihr
Kind nicht versorgen. Die Mutter starb, ohne eine Änderung in ihrem eigenen, noch in dem leben ihres kindes
zu erleben. So wuchs Natnael bei der Großmutter auf, die noch eine weitere Tochter und vier Söhne
hatte. Keines der Kinder konnte bis dahin selbständig für sich sorgen. Führ ihren Lebensunterhalt musste
Natnaels Großmutter Blätter und Eukalyptuszweige auf dem Entoto-Gebirge sammeln. das leben war für die
Familie hart. Natnaels Großmutter sah sich vielen Problemen ausgesetzt. Sie musste täglich drei Stunden
laufen um trockene Blätter aufzusammeln. Um fünf Uhr früh ging sie los. Da war nicht nur der weite Weg,
auch die lauernden Hyänen waren eine ständige Gefahr. Sie griffen sie nicht an, aber sie fühlte sich
doch ständig bedroht.
Besonders hart war der Alltag in der Regenzeit. Manchmal musste sie stundenlange Regenschauer aushalten
ohne irgendwo Schutz zu finden. Oft wurde sie krank. Nach dem Aufsammeln der Blätter und Zweige musste
sie dem Waldhüter 50 Cent zahlen, um den Wald verlassen zu dürfen. Mittags um ein Uhr erreichte sie
müde und erschöpft den Marktplatz. Für ihre schwere Ladung erhielt sie gerade einmal 4 bis 5 Birr.
Zu wenig Geld, um der Familie auch nur eine Mahlzeit zu besorgen. So steht sie für das Schicksal vieler
Frauen hier in der Umgebung.
Schließlich gelang es der Großmutter, Natnael in der German Church School unterzubringen, er wurde in die
erste Klasse aufgenommen. Seine Großmutter betrachtet diesen Moment als Natnaels "neue Geburt".
Nun bekam Natnael regelmäßig Essen: Brot, Obst, Milch und ein Taschengeld für die Familie. Er kommt mit
einer Schuluniform und mit Schuhen nach Hause, die er von der Schule bekommen hat. Natnael hat die Not
seiner Familie sehr bewusst wahrgenommen und sein Brot aus der Schule nach Hause gebracht, um es mit
seiner Großmutter zu teilen. Schließlich haben unsere Sozialarbeiter einen Hausbesuch gemacht und der
Großmutter Starthilfe für einen kleinen Verkaufsstand gegeben. Sie hat das Angebot genutzt und
verkauft jetzt Brot und Injera, das nationalgericht der Äthiopier. Inzwischen kann die Familie sich mit dem
erwirtschafteten Geld selbst ernähren und sogar etwas Erspartes beiseite legen. In den Worten der
Großmutter ist es eine "neue Geburt" für die ganze Familie. Neulich sagte sie: "Ich kann gar nicht mit
Worten ausdrücken, wie glücklich ich bin. Vor allem darüber, wie fröhlich Natnael sich entwickelt
und verändert hat."