Liebe Freunde der German Church School,
das letzte halbe Jahr ist wie im Fluge vergangen, in einer Woche bereits halten die Schülerinnen und Schüler unserer German Church School ihre Zeugnisse in der Hand. Ebenso eine recht große Schar von Erwachsenen, die hier Abend für Abend zum Unterricht kommen. Wir freuen uns, dass inzwi-schen mehr als 40 % von ihnen Eltern unserer Schulkinder sind, übrigens mehr Frauen als Männer. Für die sehr armen Familien bedeutet das sehr viel: Die Chance auf eine Arbeitsstelle steigt, ebenso die Unterstützung der Schulkinder im Elternhaus.
Insgesamt bereitet die wirtschaftliche Entwicklung allerdings Grund zur Sorge. Die galoppierende Inflation, die heftig steigenden Lebensmittelpreise, die Wasserknappheit auf dem Lande - all das spüren gerade die Ärmsten besonders schmerzhaft. Das Grundnahrungsmittel Teff ist in den ver-gangenen drei Jahren um das Fünffache gestiegen, auch die Preise für Obst und Milch sind explo-diert. Aufgrund der Energieknappheit wird zurzeit jeden zweiten Tag der Strom ganz abgeschaltet. Die meisten Menschen hocken ab 19 Uhr im Stockdustern. Bei uns dröhnt den ganzen Tag der Die-selgenerator, bis die Abendschüler um 20 Uhr gegangen sind. Es fällt schwer sich zu konzentrieren und zwischendurch zur Ruhe zu kommen. Es scheint eine Frage der Zeit, wann auch Diesel und Gas zur Mangelware werden.
Einweihung unserer Turnhalle
Umso begeisterter wird jedes herausragende Ereignis gefeiert. Am 21. Mai konnten wir end-lich unsere neue Turnhalle einweihen. Vor 11 Jahren wurde die Idee geboren, vor 5 Jahren mit dem Bau begonnen. Da die Stadt Addis A-beba mit im Boot sitzt, durften wir direkt ne-benan auf dem Jan-Meda-Sportfeld bauen. An drei Tagen in der Woche steht die Halle nun der German Church School ganz zur Verfügung. Der Bundeskanzler hatte bei seinem Besuch im Ja-nuar 2004 bereits Unterstützung zugesagt, die Deutsche und die Österreichische Botschaft ha-ben uns sehr geholfen, und so waren beide Bot-schafter sowie der stellvertretende Bürgermeis-ter zugegen.
Einsamer Höhepunkt war für die Kinder die Teil-nahme von Haile Gebreselassie. Aus den zuge-sagten 20 Minuten seines Besuchs wurde mehr als eine Stunde. Es bereitete dem sympathi-schen Langstreckenläufer ersichtlich Freude, den sportlichen Wettkampf mit den Kindern aufzu-nehmen. Er testete mit den Karate-Kids den neuen Schwingfußboden, dann lief er mit ver-bundenen Augen mit unseren blinden Schülern am Laufband um die Wette - und verlor!
"Um zu laufen und einen Wettlauf zu gewinnen, kommt es nicht nur auf eure Beine und eure Augen an, sondern auf euer Herz. Diese Kinder haben ein großes Herz: Sie wissen, wann sie starten, wie sie laufen und wann sie stoppen müssen." Mit diesen Worten hat der Gewinner des Berlin-Marathon vier Tage nach seinem jüngsten Sieg in Manchester seine jungen Mit-kämpfer der German Church School gewürdigt.
Learning by doing: Unser School - Day
Am Tag darauf fand der jährliche School Day statt, ein fröhlicher Tag mit Wettspielen, künstlerischen Aktionen und diesmal einer Präsentation des Physik-unterrichts. Insgesamt 16 unterschiedliche Ver-suchsmodelle waren aufgebaut, und mit großen Au-gen und Ohren lauschten die Jugendlichen ihren Mit-schülerinnen und Mitschülern, die voller Begeisterung Versuche in den Bereichen Optik, Elektronik, Wasser-kraft und Magnetismus vorführten und erläuterten. Da praxisorientierter Unterricht in Äthiopien eher die Ausnahme ist, habe ich mich über diese Initiative besonders gefreut. Durch eine großzügige Spende der Südtiroler Schützen können wir übrigens in diesem Sommer unseren Computerraum modernisieren und den Lernbedürfnissen anpassen.
Ausblicke
Nun erwarten wir sehnlichst die Genehmigung zur Erweiterung unseres Schulgebäudes. Wie bereits mehrfach berichtet, möchten wir das Unterrichten in Vor- und Nachmittagsschicht hinter uns lassen und den auch vom äthiopischen Erziehungsministerium geforderten Ganztagsschulbetrieb einführen. Als nächster Schritt soll die Schule dann um die Klassen 9 und 10 aufgestockt werden. Da die Kinder in ihren Hütten in äußerst beengten Verhältnissen leben, blei-ben sie ohnehin gern länger an der Schule - aber es fehlt der Platz.
Ohne Ihre vielfache Unterstützung würde es keine Turnhalle geben, und so erbitten wir auch weiter und darüber hinaus Hilfe für unser großes Vorhaben. Uns ist dabei sehr wohl bewusst, dass das Leben auch in Deutschland und Europa nicht einfacher wird, sondern immer mehr Menschen mit wirtschaftlichen Schwie-rigkeiten zu kämpfen haben. Umso mehr wissen wir es zu schätzen, dass die Spendenbereitschaft für die German Church School nicht abgenommen hat. Wir freuen uns über jeden Besuch und darüber, dass manche von Ihnen sich so selbst ein Bild machen können und dann bei sich zu Hause zu Botschaftern der German Church School werden.
Vor ein paar Tagen wurde ich an die Jahreslosung 2009 erinnert: "Was bei den Menschen
unmöglich ist, das ist bei Gott möglich." Ich finde, das ist ein gutes Motto, egal in was für Situationen wir gerade stecken. Lassen Sie sich herzlich grüßen - und noch einmal ein dickes DANKE für alle Mithilfe!
Ato Teklu Tafesse, Direktor
Martin Gossens, Pastor
Dezember 2008
Juni 2008
Juni 2007
Dezember 2006
Juli 2006